Seit im letzten Jahr der Ausbau der Kurt-Schumacher-Straße erfolgreich abgeschlossen wurde, haben sich die Anlieger und die Nutzer mehr oder weniger mit den neuen Gegebenheiten arrangiert.
Nicht alle Autofahrer haben verstanden, dass man weder auf dem Radweg noch links neben der gestrichelten Linien parken darf. Immer wieder schneiden Autofahrer die Kurve im Bereich der Einmündung der Franziska-Spiegel-Straße. Das führt dann häufig zu hektischen Lenk- und Brems-Reaktionen, wenn hinter der Kurve ein Radfahrer den Radweg benutzt oder völlig unerwartet Gegenverkehr auftaucht.
Wie gelungen der Ausbau ist, hat sich in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (29./30. Juli 2014) gezeigt. Am Dienstagabend gab es ein Gewitter mit starkem Regen. Laut NW vom 31.Juli 2014 95l/m². Vor dem Ausbau waren immer wieder Anlieger von vollgelaufenen Kellern betroffen, da der alte Kanal die auftretenden Wassermassen nicht abführen konnte und es deshalb zum Rückstau im Kanal und den damit verbundenen Problemen der Anlieger kam.
Die Erwartungen waren natürlich, dass diese Probleme durch die neuen Regen- und Schmutzwasserkanäle nicht mehr auftreten würden. Dem war allerdings bei Weitem nicht so!
Ab ca. 21 Uhr war der Schmutzwasserkanal nicht mehr in der Lage die Wassermengen abzuführen. Warum ein Schmutzwasserkanal bei starkem Regen vollläuft, ist für mich allerdings nicht nachvollziehbar. Schlimmer noch war allerdings, dass sich die Kurt-Schumacher-Straße ab 22 Uhr in einen reißenden Fluss verwandelt hatte. Die in der Straße verbauten Regenwasser-Einläufe waren nicht einmal ansatzweise in der Lage auch nur einen relevanten Teil des Regenwassers aufzunehmen.
Im gesamten Straßenverlauf sind sehr kleine Gullys verbaut, die außerdem noch ziemlich schmale Einlaufschlitze haben und die quer zur Fließrichtung liegen. Auch die Abstände der Einläufe voneinander sind sehr groß. Dienstagnacht war die Fließgeschwindigkeit des Regenwassers jedenfalls so hoch, das es der Schwerkraft nicht gelingen konnte wesentliche Anteile der Oberflächenwassers in den dafür vorgesehenen Kanal zu befördern.
Ich vermute, dass die Wahl auf diese Einläufe gefallen ist, um Bündes Eigenschaft als „fahrradfreundlicher Stadt“ gerecht zu werden. Die Gullys ragen nur circa 10 cm in den „Radweg“ hinein und sichern so eine komfortable Fahrt. Das die Gullys auch noch eine Hauptfunktion, nämlich das ableiten des Oberflächenwassers in den Regenwasserkanal, haben, hat bei der Planung der Straße offenbar keine übergeordnete Rolle gespielt. Hauptsache der Radweg ist schön!
Der zweite Geniestreich ist den Planern dadurch gelungen, dass die Straße teilweise um bis zu 30 cm höher gelegt wurde als vorher. Das hat bei einigen Anliegern dazu geführt, dass Hofflächen, Haustüren und Kellerfenster-Lichtschächte jetzt auf oder unterhalb des Bordsteinniveaus liegen. Bei einer ordnungsgemäßen Dimensionierung der Entwässerungskomponenten kann man dafür wahrscheinlich aus Sicht einer Stadt oder Gemeinde triftige Gründe (er)finden. Wenn die Planung, wie hier, allerdings nichts mit den realen Gegebenheiten zu tun hat, dann können, wie Dienstagnacht passiert, die Wassermassen ungehindert auf die Grundstücke, in Lichtschächte, Kellerhälse und sogar Haustüren strömen.
Ich bin sehr gespannt darauf, mit welchen Ausreden sich die Verantwortlichen diesmal aus der Affäre ziehen werden.