Die NW im Glashaus

Die Neue Westfälische – Bünder Tageblatt Ausgabe vom 25. September 2018 – Lokalteil

Beim lesen des Artikels „Am Bahnsteig abgehängt“ und noch mehr durch den daneben stehenden Kommentar fiel mir sofort ein:

„Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen!“

In den vielen Jahren in denen ich die NW lese, gab es immer wieder Artikel, in denen sich die Redakteure ganz schön auf die Deutsch Bahn eingeschossen hatten, wenn es um den barrierefreien Zugang zu den Bahnhöfen, Bahnsteigen und Zügen ging.

Auch der Kommentar in dieser Ausgabe findet harsche Worte für die Probleme von behinderten Menschen, die die Dienstleistungen der Bahn in Anspruch nehmen wollen. Es ist die Rede von „Vakuum“ und „Servicewüste“.

Was mich auf das Glashaus gebracht hat, ist die neue NW-App zum Lesen der e-Paper-Ausgabe.

Mit der alten App waren sehbehinderte Menschen in der Lage sich die Artikel im e-Paper vorlesen zu lassen. Die Bedienung der App war zwar weit entfernt von perfekt, aber, mit einiger Übung, konnte ein Sehbehinderter selbständig die Zeitung lesen.

Die neue, in fast jeder Ausgabe der NW ausführlich beworbene und in höchsten Tönen gelobte, App kann von Sehbehinderten jetzt überhaupt nicht mehr benutzt werden.

Ich habe in den letzten Jahren mehrfach telefonischen Kontakt zur NW aufgenommen und darauf hingewiesen, dass die Bedienung der „alten“ App zu wünschen übrig lässt und die, durch die Endgeräte zur Verfügung gestellten Möglichkeiten, fast gar nicht genutzt werden. Ich bekam jedes Mal die Auskunft, mein Gesprächspartner werde es an die zuständigen Stellen weitergeben und es könnte gut sein, dass ich einer der nächsten Versionen der App die Möglichkeiten besser genutzt würden. Auf jeden Fall sei man sehr dankbar für die Hinweise.

Nachdem jetzt die „neue“ App herausgekommen ist und die Vorlesefunktion ersatz- und kommentarlos gestrichen wurde, komme ich mir ziemlich verschaukelt vor. Ein Leserbrief, den ich eingeschickt habe, ist auch in der Versenkung verschwunden. Er hat wahrscheinlich nicht zur Werbekampagne für die neue e-Paper App gepasst.

Mein Vorschlag, liebe NW, ist: Entweder halte ich mich mit Kritik zurück, wenn ich selber viel weniger (nämlich gar nicht) für die Teilhabe von Behinderten tue, oder ich gebe selber mit gutem Beispiel voran und kann dann wirklich im Brustton der Überzeugung, die sicherlich nicht unbegründete Kritik an der Bahn, anbringen.

Ich denke außerdem, das ein Mehrpreis von geschätzt maximal 5000€ für die Entwicklung einer behindertengerechten App für die NW leichter aufzubringen und schneller umzusetzen ist, als die erforderlichen vielen Millionen €uro für den behindertengerechten Ausbau aller Bahnhöfe und Züge von der Deutschen Bahn.

Mathematikdefizit oder Stimmungsmache?

Heute, 15. August 2016, auf der NW Titelseite der Abdruck eines dpa-Berichtes über eine YouGov-Befragung zum Thema Leinenzwang.

Überschrift: Mehrheit für Leinenzwang

Im Artikel dann: „Fast jeder zweite Befragte“

Entweder beherrscht der Redakteur nicht die Grundlagen der Mathematik („Fast jeder Zweite Befragte“ < 50% und deshalb keine Mehrheit) oder jemand möchte einfach nur Stimmung machen. Dicke Überschrift mit einem Archivbild das ein Hund-Frauchen-Paar zeigt, dass auch mit Leine überfordert ist. Damit lassen sich auch ohne sich um die störenden Tatsachen zu kümmern, sicher noch ein paar Querleser dazu bringen unreflektiert in das gleiche Horn zu tuten.

Das ist nicht annähernd das, was ich von der Redaktion meiner Tageszeitung erwarte, sondern ganz einfach billige Stimmungsmache.

Rechnen á la NW

Rechnen á la NW

Spurrillen

Straßenarbeiten in Bünde

Wenn in Bünde Straßen repariert werden, dann gründlich.
Ein Beispiel dafür sieht man hier.
Das Foto ist an der Fußgängerampel an der Engerstraße bei Gaststätte Erdbrügger nach einem leichten Regen aufgenommen worden. In der Woche vorher war die gesamte Enger Straße/Klinkstraße wegen umfangreicher Reparaturarbeiten gesperrt.
Warum Spurrillen auf Fußgängerüberwegen nicht repariert werden, dass weiß wohl nur die zuständige Behörde.

Ausbau der Kurt-Schumacher-Straße – Eine Erfolgsgeschichte

Seit im letzten Jahr der Ausbau der Kurt-Schumacher-Straße erfolgreich abgeschlossen wurde, haben sich die Anlieger und die Nutzer mehr oder weniger mit den neuen Gegebenheiten arrangiert.

Nicht alle Autofahrer haben verstanden, dass man weder auf dem Radweg noch links neben der gestrichelten Linien parken darf. Immer wieder schneiden Autofahrer die Kurve im Bereich der Einmündung der Franziska-Spiegel-Straße. Das führt dann häufig zu hektischen Lenk- und Brems-Reaktionen, wenn hinter der Kurve ein Radfahrer den Radweg benutzt oder völlig unerwartet Gegenverkehr auftaucht.

Wie gelungen der Ausbau ist, hat sich in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (29./30. Juli 2014) gezeigt. Am Dienstagabend gab es ein Gewitter mit starkem Regen. Laut NW vom 31.Juli 2014 95l/m². Vor dem Ausbau waren immer wieder Anlieger von vollgelaufenen Kellern betroffen, da der alte Kanal die auftretenden Wassermassen nicht abführen konnte und es deshalb zum Rückstau im Kanal und den damit verbundenen Problemen der Anlieger kam.

Die Erwartungen waren natürlich, dass diese Probleme durch die neuen Regen- und Schmutzwasserkanäle nicht mehr auftreten würden. Dem war allerdings bei Weitem nicht so!

Ab ca. 21 Uhr war der Schmutzwasserkanal nicht mehr in der Lage die Wassermengen abzuführen. Warum ein Schmutzwasserkanal bei starkem Regen vollläuft, ist für mich allerdings nicht nachvollziehbar. Schlimmer noch war allerdings, dass sich die Kurt-Schumacher-Straße ab 22 Uhr in einen reißenden Fluss verwandelt hatte. Die in der Straße verbauten Regenwasser-Einläufe waren nicht einmal ansatzweise in der Lage auch nur einen relevanten Teil des Regenwassers aufzunehmen.

Im gesamten Straßenverlauf sind sehr kleine Gullys verbaut, die außerdem noch ziemlich schmale Einlaufschlitze haben und die quer zur Fließrichtung liegen. Auch die Abstände der Einläufe voneinander sind sehr groß. Dienstagnacht war die Fließgeschwindigkeit des Regenwassers jedenfalls so hoch, das es der Schwerkraft nicht gelingen konnte wesentliche Anteile der Oberflächenwassers in den dafür vorgesehenen Kanal zu befördern.

Ich vermute, dass die Wahl auf diese Einläufe gefallen ist, um Bündes Eigenschaft als „fahrradfreundlicher Stadt“ gerecht zu werden. Die Gullys ragen nur circa 10 cm in den „Radweg“ hinein und sichern so eine komfortable Fahrt. Das die Gullys auch noch eine Hauptfunktion, nämlich das ableiten des Oberflächenwassers in den Regenwasserkanal, haben, hat bei der Planung der Straße offenbar keine übergeordnete Rolle gespielt. Hauptsache der Radweg ist schön!

Der zweite Geniestreich ist den Planern dadurch gelungen, dass die Straße teilweise um bis zu 30 cm höher gelegt wurde als vorher. Das hat bei einigen Anliegern dazu geführt, dass Hofflächen, Haustüren und Kellerfenster-Lichtschächte jetzt auf oder unterhalb des Bordsteinniveaus liegen. Bei einer ordnungsgemäßen Dimensionierung der Entwässerungskomponenten kann man dafür wahrscheinlich aus Sicht einer Stadt oder Gemeinde triftige Gründe (er)finden. Wenn die Planung, wie hier, allerdings nichts mit den realen Gegebenheiten zu tun hat, dann können, wie Dienstagnacht passiert, die Wassermassen ungehindert auf die Grundstücke, in Lichtschächte, Kellerhälse und sogar Haustüren strömen.

Ich bin sehr gespannt darauf, mit welchen Ausreden sich die Verantwortlichen diesmal aus der Affäre ziehen werden.